Die Zulassung zur Heilpraktiker-Prüfung und Berufsausübung

Die Heilpraktiker-Prüfung ist gesetzlich geregelt und erlaubt dem staatl. geprüften und anerkannten Heilpraktiker die Ausübung der Heilkunde ohne Arzt zu sein.

Die gesetzliche Grundlage für die Zulassung zum Heilpraktiker regelt das „Heilpraktikergesetz“ mit der dazugehörigen Durchführungsverordnung der Bundesländer.

In der Regel wird die Heilpraktiker-Prüfung an regional zuständigen zentralen Gesundheitsämtern durchgeführt. Der Antrag zur Zulassung zur Heilpraktiker-Prüfung nach dem Heilpraktikergesetz wird an der Verwaltungsbehörde (Amt für öffentliche Ordnung) am Ort des dauernden Wohnsitzes gestellt. Eine direkte Anmeldung beim Gesundheitsamt ist auch möglich.

Je nach Bundesland können folgende Nachweise verlangt werden:

a. Geburtsurkunde (Vollendung des 25. Lebensjahres zum Prüfungstermin)
b. Amtliche Führungszeugnis (nicht älter als 3 Monate)
c. Ärztliches Gesundheitszeugnis (nicht älter als 3 Monate)
d. Nachweis über eine abgeschlossene Schulbildung (mind. Hauptschulabschluss).

Seit 1992 wurden die Überprüfungen gemäß sogen. „Leitlinien“ der Bundesregierung bezüglich Inhalt und Termine zunehmend zentralisiert und vereinheitlicht. Somit gibt es in den meisten Bundesländern pro Jahr einheitlich zwei Prüfungstermine. Bei Nichtbestehen der amtlichen Heilpraktiker-Prüfung besteht neben dem Widerspruchsrecht innerhalb eines Monats, die Möglichkeit der in der Zahl unbeschränkten Wiederholung nach einem halben Jahr.

Die Zulassung zur Heilpraktiker-Prüfung und Berufsausübung

Ablauf der Heilpraktiker-Prüfung

Schriftliche Prüfung
Mit 60-80 Fragen: 90% davon im Antwort-Wahl-Verfahren (Multiple-Choice), pro Frage 2 Minuten Zeit 10% davon in Form einer wörtlichen Darlegung, pro Frage 4 Minuten Zeit. Nach richtiger Beantwortung von 75% der gestellten Fragen erfolgt die Zulassung zum mündlichen Teil.

Mündliche Prüfung
Mindestens 15 bis maximal 45 Minuten evtl. in Gruppen von bis zu 4 Antragstellern vor dem Amtsarzt und einem von ihm berufenen Gutachtlich mitwirkenden Heilpraktiker. Die mündliche Prüfung beinhaltet meist auch eine praktische Aufgabe, die der Antragsteller in Anwesenheit des Prüfungsgremiums zu lösen hat.

Über die Prüfung wird ein Protokoll erstellt. Das Ergebnis der Prüfung wird der zuständigen Behörde (Amt für Öffentliche Ordnung) mitgeteilt.

Inhalte der Heilpraktiker-Prüfung

Berufs- und Gesetzeskunde einschließlich rechtliche Grenzen der Ausübung der Heilkunde ohne Approbation als Arzt.

Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden des Heilpraktikers.

Grundkenntnisse der Anatomie, pathologischen Antatomie, Physiologie und Pathophysiologie.

Grundkenntnisse in der allgemeinen Krankheitslehre, Erkennung und Unterscheidung von Volkskrankheiten, insbesondere der Stoffwechselkrankheiten, der Herz-/Kreislauf Krankheiten, der degenerativen Erkrankungen sowie der übertragbaren Krankheiten.

Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohender Zustände.

Technik der Anamneseerhebung, Methoden der unmittelbaren Krankenuntersuchung (Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, Reflexprüfung, Puls- und Blutdruckmessung).

Praxishygiene, Desinfektion, Sterilisation.

Injektions- und Punktionstechniken, Deutung grundlegender Laborwerte.

Damit erhält der Heilpraktiker nach Bestehen der Überprüfung vor dem Gesundheitsamt die Erlaubnis zur berufsmäßigen d.h. entgeltlichen Ausübung der Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein und kann in Deutschland überall praktizieren.

D.h. mit relativ geringen Einschränkungen besitzt der Heilpraktiker die gleichen Befugnisse hinsichtlich der Ausübung der Heilkunde wie der Arzt.
Dies entspricht einer einzigartigen Ausnahmesituation in Europa, was aus der Sicht der etablierten Ärzteschaft als fragwürdig oder zumindest erstaunlich erscheint und von der Schulmedizin teilweise bekämpft wird.

Die inzwischen hohen Qualitätsstandards der Kenntnisprüfungen vor dem Gesundheitsamt (Durchfallquoten von durchschnittlich 50%) und die modernen Forderungen an die Ausübung des Heilpraktikerberufes, erfordern eine qualifizierte und gezielte Vorbereitung.

Mit dem Heilpraktiker Selbststudium erhalten Sie eine optimale Prüfungsvorbereitung, ohne hohen Kostenaufwand, langen Anfahrten und bei freier Zeiteinteilung.

Erst bei bestandener Prüfung macht es Sinn, Zeit und Geld in eine therapeutische Ausbildung zu investieren.

Dieses Selbststudium wurde speziell dafür entwickelt, das Grundwissen und Verständnis prüfungsnah zu vermitteln. Medizinische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Rechtliche Vorschriften

Nach Bestehen der Zulassungsprüfung wird die Erlaubnis zur Führung des Titel „Heilpraktiker/In“ verbunden mit der Erlaubnis zur „Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung“ erteilt.

Diese beinhaltet körperliche, wie auch psychische, Leiden. Somit darf ein zugelassener Heilpraktiker/in auch psychotherapeutisch tätig werden. Die Erlaubnis erstreckt sich auf das gesamte Bundesgebiet und gilt ohne zeitliche Einschränkung.

Im Prinzip hat der Heilpraktiker, ähnlich wie der Arzt, eine sog. „Therapiefreiheit“. Ihm ist alles erlaubt, was nicht durch Gesetze, Richtlinien, Verordnungen, Gerichtsurteile usw. eingeschränkt oder verboten wurde.

Dazu gehören:

  • Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis.
  • Berufsausübung unter einer anderen Bezeichnung als dem Titel Heilpraktiker.
  • Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.
  • Ausübung der Heilkunde bezüglich Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten.
  • Ausübung der Heilkunde bei gelegentlichen Vorträgen oder im Anschluss daran.
  • Durchführung der Leichenschau und Ausstellung von Totenscheinen.
  • Behandlung von ganz bestimmten Infektionskrankheiten aus dem Bundesseuchengesetz.
  • Arbeiten mit vermehrungsfähigen Keimen.
  • Durchführung von Schutzimpfungen.
  • Behandlung von übertragbaren Geschlechtskrankheiten.
  • Geburthilfe zu leisten – außer im Notfall.
  • Verschreibung von Arznei- und Betäubungsmitteln, deren Verschreibung alleine den Ärzten vorbehalten ist.
  • Die Behandlung auf Krankenschein bei gesetzlich versicherten Patienten.
  • Eine unzulässige und irreführende Werbung im Zusammenhang mit der Heilpraktikertätigkeit.
  • Die zwangsweise Einweisung in eine psychiatrische Anstalt.

Nach Praxiseröffnung ist der Praxisinhaber (Heilpraktiker/in) verpflichtet zur:

  • Meldung der Praxis beim Gesundheitsamt und beim Amt für öffentliche Ordnung.
  • Meldung an das zuständige Finanzamt.
  • Meldung an die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.
  • Nachweis einer geeigneten Räumlichkeit für die Durchführung der Heilkunde.

Der Heilpraktiker-Beruf zählt zu den freien Berufen, eine Gewerbeanmeldung entfällt.

Gemäß den Berufspflichten hat der Heilpraktiker bei der Ausübung der Heilkunde an Patienten folgende Grundpflichten zu erfüllen:

Der Heilpraktiker unterliegt der Sorgfaltspflicht, d.h. er muss in allen Belangen seiner Berufsausübung „lege artis“ – arbeiten („nach den Regeln der (ärztlichen ) Kunst“). Zusätzlich gibt ein BGH – Urteil vom 29.01.1991 (VI ZR 206/90) noch folgende Auskunft (Auszug): “ Ein Heilpraktiker, welcher invasive Behandlungsmethoden bei seinen Patienten anwendet, hat insoweit dieselben Sorgfaltspflichten zu erfüllen, auch bezüglich seiner Fortbildung, im Hinblick auf Nutzen und Risiken dieser Therapiearten, wie ein Arzt für Allgemeinmedizin, der sich solcher Methoden bedient.“

Ein Heilpraktiker hat der Aufklärungspflicht genüge zu tun, d.h. er muss einen Patienten z.B. Auskunft geben über Diagnosen, Risiken, Nebenwirkungen und Kosten einer Therapie, usw.

Der Heilpraktiker hat eine Schweigepflicht zu erfüllen, d.h. Informationen über Patienten dürfen an unbefugte Dritte auf keinen Fall weitergegeben werden.

Der Heilpraktiker hat einer Haftpflicht genüge zu tun und muss sich gegenüber Risiken, die bei der Berufsausübung auftreten können, absichern.

Der Heilpraktiker – aber auch jeder andere Mensch – hat eine Hilfspflicht gegenüber anderen Menschen in Notfallsituationen. Zum Teil werden jedoch bei Angehörigen von Heilberufen hier strengere Maßstäbe angelegt.

Der Heilpraktiker hat eine Dokumentationspflicht zu erfüllen, d.h. er über die in der Ausübung seines Berufes gemachten Festellungen und getroffenen Maßnahmen – bei seinen Patienten – die erforderlichen Aufzeichnungen anzufertigen (z.B. durch Führen von Karteikarten etc.)

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Gemessen an der Aufmerksamkeit die dem Berufsstand des Heilpraktikers entgegengebracht wird, gibt es nur eine relativ geringe Zahl alternativer Therapeuten.

Schätzungen zufolge besuchen ca. 5-10% der Bevölkerung relativ regelmäßig einen Heilpraktiker. Neben ca. 160.000 Ärzten gibt es etwa 14.000 Personen die im Besitz der Erlaubnis zur Ausübung des Heilpraktikerberufes sind, wobei die Zahl der selbstständigen Heilpraktiker-Praxen lediglich zwischen 7 – 8000 schwankt, wovon ca 3.000 Praxen Vollerwerbspraxen sind.

Laut einer Erhebung der BMG ist in fast allen europäischen Ländern die Ausübung der Heilkunde den Ärzten vorenthalten. Den Heilpraktiker-Beruf im Sinne der Deutschen Gesetzeslage gibt es in keinem anderen Mitgliedstaat der EU. Nur Schweden, Dänemark und einige Schweizer Kantone kennen die nichtärztliche Heilkundeausübung mit ganz bestimmten Auflagen und Einschränkungen. Eine weitgehend unangetastete Kurier-Freiheit gibt es nur in Irland.

Eine Absicht der EU-Kommission bezüglich Richtlinienvorschläge zur Regelung der Freizügigkeit und der Niederlassungsfreiheit für Heilpraktiker in Europa besteht zurzeit nicht.

Mehr Informationen: Heilpraktiker SelbstStudium.

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