Heilwissen von Bauerndoktoren aus dem Alpenraum

Der Apotheker Arnold Achmüller hat das Heilwissen und die Ratschläge von Bauerndoktoren aus dem Alpenraum gesammelt, geprüft und sie an die moderne Forschung angepasst. In seinem Buch findet man viele Hausmittel zum Selbermachen und einen Überblick über die wichtigsten Kräuter.

Die Gliederung nach Beschwerden erleichtert die Suche nach dem richtigen Kraut: Atemwegserkrankungen, Gelenksbeschwerden, Hauterkrankungen und Verdauungsstörungen werden genauso angeführt wie Herz- und Kreislauferkrankungen oder Tipps aus der Frauen- und Kinderheilkunde.

Auch wichtige Gift- und Rauschpflanzen werden genannt. Viele Rezepte für Tees, Wickel, Tinkturen und Schnäpse sowie andere alte und erprobte Heilpraktiken werden durch dieses Buch wieder zugänglich gemacht – damit wir uns ein Stück Eigenständigkeit in Gesundheitsfragen bewahren.

Wer waren die Bauerndoktoren und Heiler?

Da es im Alpenraum lange an universitär gelehrten Ärzten, Wundärzten und Hebammen sowie an handwerklich ausgebildeten Badern fehlte, gab es hier viele Laienmediziner. Dies waren neben der eigenen Familie in erster Linie sogenannte Bauerndoktoren, aber auch Viehdoktoren, Zahnreißer, Wanderheiler und Geistliche, die die Leidenden bzw. Kranken pflegten und behandelten.

Folgende Bauerndoktoren und Heiler werden im Buch vorgestellt:

Südtirol:

– Johann Waldboth – Der Lackmüller in Feldthurns,
– Ursula Steinkasserer – Die Paßler Ursche aus dem Antholzertal,
– Die Ragginer aus Lüsen.

Nordtirol:

– Alois Neuner – Der Kiendler aus dem Zillertal,
– Martin Steinlechner – Der .rünhäusler aus Hall,
– Josef Abenthung – Der Marxer aus Götzens.

Salzburg:

– Barbara Struberin – Die Brunnbeschauerin aus Werfen.

Vorarlberg:

– Hermann Dörn – Das Schliser Männle aus Schlins.

Kärnten:

– Michael Pertl – Graf Michl aus Vorderkoflach,
– Die Schindler Muatter im Lavanttal.

Steiermark:

– Johann Reinbacher – Der Höllerhansl aus Stainz,
– Mathias Schicklgruber – Schickl aus Großlobming.

Oberösterreich:

– Der Spindler aus Julbach,
– Peter Teufelsbruder – Der Spanner Peter aus Haid,
– Maria Elisabeth Edtingerin aus Steyr,
– Wolf Langemann aus Kirchdorf.

Niederösterreich und Wien:

– Katharina Gruntner aus Kronau,
– Der Dobrowa aus Göstling bei Scheibbs.

Schweiz:

– Johann Künzle – Kräuterpfarrer Künzle.

Bayern:

– Amalia Hohenester – Wunderdoktorin von Deisenhofen.

Welche Krankheiten kannten die Bauerndoktoren?

Generell war die Diagnostik in der Volksheilkunde bis ins 20. Jahrhundert eher einfach gehalten. Man kannte schlichtweg nicht sehr viele unterschiedliche Beschwerden. Vor allem Krankheiten, die die Arbeitskraft der Menschen minderten, wurden von den Volksheilern behandelt. Denn in einer vorindustriellen Zeit war eine ausfallende Arbeitskraft mitunter existenzbedrohend für die gesamte Familie.

Wunden, Gelenkserkrankungen, Fieber, ansteckende Krankheiten, Magen- und Hautprobleme galten als die problematischsten Erkrankungen. Dagegen wurden Nervenerkrankungen kaum beachtet und wohl oft auch nicht als behandelbare Krankheit angesehen.

Wie wurde diagnostiziert und geheilt?

Viele volksmedizinische Handlungen entspringen dem festen Glauben an Magie und übersinnliche Kräften. Bei der Frage, weshalb Menschen Krankheiten erleiden, hatte man oft einfach keine bessere Erklärung als Dämonen oder schwarze Magie.

Folgende Diagnosetechniken wurden im Alpenraum angewandt:

Harnschau: Der Patient musste zu diesem Zweck den Morgenurin in einem runden, durchsichtigen Harnglas sammeln und dem Heiler bringen. Dieser stellte aufgrund der Farbe, Konsistenz und möglicher Niederschläge die Diagnose. Dabei galt es 20 verschiedene Farbtöne und fünf verschiedene Konzentrationsgrade zu unterscheiden. Manchen „Beschauern“ sagte man sogar nach, dass sie aus dem Urin Alter und Geschlecht des Patienten ablesen konnten.

Körpervermessung: Ein zusätzliches diagnostisches Verfahren war lange Zeit das Messen des Verhältnisses von Körpergröße zu Körperbreite. Dabei stellt man sich vor, dass ein Mensch, der krank ist, auch äußerlich das „rechte Maß“ verloren hat.

Folgende Heilmethoden wurden häufig angewandt:

Sprüche und Wortzauber: Das Heilen mit Worten im Sinne von Zaubersprüchen oder Gebeten findet sich rund um den Globus in vielen, wenn nicht sogar den meisten Kulturen und ist fester Bestandteil vieler Heilungsriten. Neben dem Handauflegen zählt es zu einem der ältesten Heilrituale überhaupt.

Verbohren und Verbannen: Hier wird die Krankheit symbolisch entweder auf eine Pflanze, ein Tier oder auch auf einen Gegenstand umgelenkt. Die Krankheit, die hier als böser Dämon gesehen wird, soll auf diese Weise den Patienten verlassen und so geheilt werden.

Räuchern: Im Alpenraum räucherte man bis ins 20. Jahrhundert hinein vor allem bei ansteckenden Krankheiten und Seuchen Haus und Stall mit aromatischen Wurzeln und Kräutern. Johann Ragginer räucherte bei ansteckenden Tierkrankheiten den Stall mit Baldrian, Beifuß, Dost, Johanniskraut, Weinraute und Wermut.

Wie war das während der Hexenverfolgung?

Bauernärzte, Hebammen und Kräuterfrauen spielten in der Gesellschaft immer schon eine zwiespältige Rolle. Zum einen waren sie wegen ihres Wissens und ihrer Hilfe in Notsituationen hoch angesehen. Zum anderen sah man in ihren Fähigkeiten auch immer magische Handlungen und fürchtete sie deshalb. Eine Heilung durch Sprüche und Berührungen als schwarze Magie und Schadenzauber aufzufassen, war durchaus üblich.

Immer wieder kamen diese Menschen in den Ruf der Hexerei, weil ein Großteil der Bevölkerung sich Heilerfolge nicht rational erklären konnte. Viele Bauernärzte besaßen auch Bücher, welche die einfache Bevölkerung nicht verstand und deshalb oft als Zauberbücher ansah. Schnell ahnte man, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. In Zeiten der Hexenverfolgung kamen deshalb gerade Heiler schnell in den Verdacht der Hexerei.

Heilwissen von Bauerndoktoren aus dem Alpenraum

Arnold Achmüller

Wickel, Salben und Tinkturen

Das Kräuterwissen der Bauerndoktoren in den Alpen
Ladenpreis: Euro 24,90
Hardcover | 17 x 24,5 cm | 288 Seiten
ISBN: 978-88-7283-534-0
Edition Raetia
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Kräutertipps und Rezepte aus dem Buch:

Biologischer Spray gegen Blattläuse

Zutaten: 10 g Mutterkraut; 10 g Ackerschachtelhalm; 5 g Brennnesselblätter; 3 g Schmierseife; 5 Tropfen ätherisches Anisöl; 300 ml Wasser
Zuerst das Mutterkraut, den Ackerschachtelhalm, die Brennnesselblätter und die Schmierseife mit kochendem Wasser überbrühen und das Ganze 20 Minuten lang ziehen lassen. Dann in eine kleine Sprühflasche abfiltrieren und das ätherische Anisöl hinzugeben. Der Pflanzenspray ist über eine gesamte Vegetationsperiode haltbar. Die befallenen Pflanzen täglich mit der Lösung besprühen.

Kinderbringertee nach Hans Neuner, dem Enkel vom „Kiendler“ Alois Neuner

Zutaten: 20 g Storchschnabelkraut; 20 g Frauenmantelkraut; 20 g Schafgarbe; 20 g Gänsefingerkraut; 10 g Kamille; 10 g Johanniskraut
3-mal täglich eine Tasse warmen Tees trinken. Pro ¼ l kochendes Wasser 1 Esslöffel der Teemischung verwenden. Dieser Tee hilft auch bei Regelkrämpfen. Für Schwangere ist er nicht geeignet!

Kindertee bei Bauchschmerzen

Zutaten: 40 g Kamillenblüten; 20 g Fenchelfrüchte; 20 g Melissenblätter; 20 g Anisfrüchte
3-mal täglich eine Tasse Tee trinken. Pro Tasse 1 Esslöffel der Teemischung verwenden. Erleichtert auch die Verdauung.

Arnikawickel bei Prellungen und Gelenkschmerzen

Zutaten: 30 g Arnikablüten; 200 ml Weinessig
Die Blüten mit dem heißen Essig überbrühen und 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend den Essig auf ein Tuch auftragen, ein trockenes Tuch darüberlegen und mit einem Stück Stoff an der schmerzenden Stelle fixieren. Der Wickel wird bei akuten Verletzungen kalt, bei bereits länger bestehenden Schmerzen warm angelegt und mehrmals täglich gewechselt. Ein Arnikawickel eignet sich besonders bei Prellungen, Quetschungen und Gelenkschmerzen.

Erkältungstee

Zutaten: 20 g Malvenblüten und -blätter; 20 g Lindenblüten; 20 g Quendel; 20 g Himbeerblätter; 20 g Schafgarbenkraut
3- bis 4-mal täglich eine Tasse Tee trinken. Pro Tasse 1 Esslöffel der Teemischung verwenden.

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