Akupressur-Selbstbehandlung

Akupressur ist ein wichtiges Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin. Durch gezielte Massage an Akupunkturpunkten wird eine Heilwirkung bei leichten und mittelschweren Störungen und Erkrankungen erreicht. Die Akupressur wird schon seit der Antike auch als Selbstbehandlung angewendet. Schon Schulkinder lernen die wichtigsten Punkte für die Akupressur und die Technik der Massage für die Selbstbehandlung.

Auch im Westen hat man in den letzten Jahren die Vorzüge der traditionellen chinesischen Medizin erkannt und bringt darum sowohl der Akupunktur als auch der Akupressur und dem Shiatsu, der japanischen Variante, steigendes Interesse entgegen. Akupressur ist frei von Nebenwirkungen und bietet gerade deshalb Vorteile im Vergleich z.B. zu den schmerzstillenden Medikamenten, die mit Nebenwirkungen behaftet sind.

Akupressur

Anwendungsgebiete der Akupressur

Das Hauptanwendungsgebiet der Akupressur ist die Behandlung von leichten und mittelschweren Schmerzzuständen wie Kopfschmerzen, Gesichts- und Zahnschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen, Ischialgien und Lumbalgien. Viele vegetative und psychosomatische Störungen lassen sich ebenfalls positiv beeinflussen, wie z.B. Nervosität, innere Unruhe, Schlafstörungen, Verstopfung, Menstruationsstörungen aber auch Übelkeit, Brechreiz und Seekrankheit.

Wirkungsweise der Akupressur

Die chinesischen Ärzte sahen den Menschen in einer intensiven Wechselbeziehung zu der ihn umgebenden Natur. Alle Lebensvorgänge sowohl im Menschen als auch in der Natur betrachtete man als geordnetes Fließen einer Lebensenergie, Qi von den Chinesen genannt. Die Lebensenergie fließt im menschlichen Körper ständig durch ein System von „Kanälen“, die von Europäern Meridiane genannt werden.

Die Meridiane wurden in der Antike mit den großen Flüssen in China verglichen, die das lebensnotwendige Wasser für die Bewässerung heranführen. Ähnlich sah man die Aufgabe der Meridiane als Transportgefäße für die Lebenskräfte. Die chinesische Medizin kennt ein System von 12 Hauptmeridianen, die mit inneren Organen wie Herz, Lunge, Niere, Magen usw. in Verbindung stehen und nach den entsprechenden Organen benannt sind: Herzmeridian, Lungenmeridian, Nierenmeridian, Magenmeridian usw..

Das Fließen der Lebensenergie durch die Meridiane ist nach chinesischer Vorstellung bei Krankheiten gestört. Entweder liegt eine Fülle oder Schwäche der Lebensenergie in den Meridianen und Organen vor, auch eine Blockade ist möglich. Bei Kopfschmerzen z.B. liegt eine Blockade vor und folglich meist eine Fülle der Lebensenergie, die zu Spannungsgefühlen und Schmerzen führt.

Solche Blockaden und Fülle- bzw. Schwächestörungen lassen sich durch Akupunktur oder Akupressur von besonderen Meridianpunkten dauerhaft beheben. Bei der Akupunktur geschieht dies durch das Stechen von Nadeln in Punkte, bei der Akupressur massiert man diese Akupunkturpunkte. Die Akupressurmassage wirkt ausgleichend auf die Energiestörungen der Meridiane.

Störungen der Lebensenergie in den Meridianen und Organen treten auf, wenn die Kräfte der umgebenden Natur, etwa in Form von Klimafaktoren auf den geschwächten Körper wirken. Äußere klimatische Faktoren sind Hitze, Kälte, Trockenheit, Wind oder eine Kombination dieser Faktoren, z.B. kalter, trockener Wind. Im alten China unterlagen die Menschen den Wetterfaktoren in einem hohen Maße. Auch bei uns im Westen treten solche klimatisch bedingten schmerzhaften Störungen, häufig bei Wetterwechsel, auf.

Auch innere Ursachen von Störungen der Lebensenergie, durch falsche Ernährung oder durch übermäßige psychische Belastungen kommen als Krankheitsursache in Frage. Ein Übermaß an Angst, Wut, Zorn, Grübeln, Erregung oder Traurigkeit führt zu einer Schwächung bzw. Blockade der Energie einzelner Organe und Meridiane und so zu krankhaften Störungen.

Wut und Zorn führen häufig zu einer Blockade sowie einer begleitenden Füllestörung im Verlauf des Gallenblasenmeridians des Kopfes, was Spannungsgefühle und Kopfschmerzen bedingt.

Vor jeder Selbstbehandlung durch Akupressur muss eine genaue Diagnose durch den behandelnden Arzt gestellt werden, um zu verhindern, dass schwerwiegende bzw. bösartige Erkrankungen verschleiert oder nicht erkannt werden. Deshalb sollte jede Akupressur zur Selbsthilfe vorher mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Akupressur ist auch kein Ersatz für eine Akupunkturbehandlung oder konventionelle Therapie, sondern eine Ergänzung und Unterstützung anderer Heilverfahren.

Durch die Selbstbehandlung wird der Patient direkter mit seiner krankhaften Störung konfrontiert, er wird bewusster im Umgang mit seiner Krankheit und oft auch für deren Ursache. Dies fördert das Gefühl der Selbstverantwortung für seine Krankheit.

Technik der Akupressur

Die Massage erfolgt gezielt mit der Fingerkuppe des Zeigefingers oder des Daumens, bei einigen Punkten mit dem Nagel. Man massiert mit kreisender Bewegung oder in Längsrichtung zum Meridian, also auf und ab. Die massierende Bewegung wird in Richtung des Meridianflusses betont.

Die Betonung der Massagerichtung entlang der Flussrichtung des Meridians ist besonders bei der Behandlung von ausstrahlenden Schmerzen von Bedeutung. Oft strahlen Schmerzen entlang der Meridiane aus; gerade dann ist es wichtig, Punkte des entsprechenden Meridians intensiv zu massieren.

Der Massagedruck ist je nach Lage der Akupunkturpunkte unterschiedlich: Punkte im Bereich von Muskeln werden kräftig massiert, während Punkte im Gesicht und über Nervenaustrittsstellen vorsichtiger behandelt werden. Bei geschwächten und sensiblen Patienten massiert man weniger intensiv als bei athletischen.

Am Anfang der Behandlung ist der Massagedruck zunächst geringer und wird dann langsam und stetig gesteigert. Die Massage sollte jedoch nie schmerzhaft sein. Die Massagezeit beträgt bei den Nahpunkten im Bereich der Erkrankung 30-60 Sekunden je Punkt und bei den Fernpunkten an den Armen und Beinen 1-2 Minuten je Punkt.

Punkte mit besonderer Wirksamkeit

Nachfolgend werden die wirksamsten Akupunkturpunkte vorgestellt, die in der Akupressur eine wichtige Rolle spielen. Die Punkte liegen auf einem Meridian und haben eine Zahl, die die Reihenfolge auf dem Meridian angibt, zum Beispiel ist „Dickdarm 4“ der 4. Punkt des Dickdarmmeridians.

Dickdarm 4 Hegu

  • Bedeutung: Stärkster schmerzlindernder Punkt im Körper. Zusätzliche besondere Wirksamkeit auf das Gesicht und den Kopf. Anwendung bei allen Schmerzzuständen, besonders bei Kopf- und Gesichtsschmerzen.
  • Lage: Auf der Mitte des Muskels zwischen Daumen und Zeigefinger.
  • Anwendung: Kräftige Massage des Punktes zwischen dem Daumen und Zeigefinger für 1-2 Minuten je Seite. Wiederholung nach jeweils 15-30 Minuten, bis Schmerzfreiheit erreicht ist. Man sollte kräftig massieren, um ein starkes Druckgefühl dieser Stelle zu erreichen, jedoch ohne einen Schmerz auszulösen.

Perikard 6 Neiguan

  • Bedeutung: Besondere Wirkung bei Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Schwindel, Schluckauf, Sodbrennen, Seekrankheit, Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden. Auch psychisch beruhigender Punkt bei innerer Unruhe, Nervosität, psychischen Erregungszuständen, vegetativer Dystonie, Angstzuständen, vegetativen Herzrhythmusstörungen.
  • Lage: Auf der Innenseite des Unterarms, auf der Mitte zwischen Ulna und Radialis, zwischen den beiden hier tastbaren Beugesehnen der Finger, zweieinhalb Fingerbreiten proximal von der Beugefalte des Handgelenks.
  • Anwendung: Kräftiger, massierender Druck mit dem Zeigefinger für 1-2 Minuten beiderseits, mehrmalige Wiederholung nach jeweils 15-30 Minuten. Bei Massage ist ein starkes, in der Tiefe fühlbares Druckgefühl auszulösen.

Herz 7 Shenmen

  • Bedeutung: Stark psychisch beruhigender Punkt. Besondere Wirkung bei innerer Unruhe, Nervosität, psychischen Erregungszuständen, Schlaflosigkeit, Angstzuständen, vegetativer Dystonie, vegetativen Herzrhythmusstörungen.
  • Lage: Auf der Beugefalte des Handgelenks, seitlich der Sehne des M. flexor carpi ulnaris.
  • Anwendung: Kräftiger, massierender Druck mit dem Nagel des Zeigefingers oder des Daumens für 30-60 Sekunden beiderseits. Wiederholung nach 15-30 Minuten.

Magen 36 Zusanli

  • Bedeutung: Wichtiger Punkt bei Magen- und Darmbeschwerden, Übelkeit, Brechreiz, Bauchschmerzen, Durchfallerkrankungen, aber auch bei Verstopfung. Anregender Punkt bei Abgeschlagenheit, niedrigem Blutdruck, Schwächezuständen.
  • Lage: Man tastet die Schienbeinkante von unten nach oben, bis man knapp unterhalb des Kniegelenks die Tuberositas tibiae fühlt. Von Beginn dieses Vorsprungs geht man eine Fingerbreite seitlich.
  • Anwendung: Kräftige, kreisende Massage des Punktes mit dem Daumen oder mit dem Zeigefinger für 1-2 Minuten. Moxibustion, d.h. die Wärmeanwendung ist bei Schwächezuständen besonders wirksam.

Milz-Pankreas 6 Sanyinjiao

  • Bedeutung: Wichtigster Punkt bei Erkrankungen des kleinen Beckens, der Harnwege und des Genitalsystems. Besonders hilfreich bei schmerzhaften Menstruationsstörungen und Beschwerden beim Wasserlassen. Ebenfalls wichtiger anregender Punkt bei Schwächezuständen, niedrigem Blutdruck und Abgeschlagenheit.
  • Lage: An der Innenseite des Unterschenkels, eine Handbreit (vier Finger) oberhalb des höchsten Punktes des Innenknöchels an der Hinterkante des Schienbeins.
  • Anwendung: Kräftige Massage des Punktes mit dem Daumen oder dem Zeigefinger für 1-2 Minuten. Wiederholung nach 30-60 Minuten.

Literatur zur weiteren Information

Stux G (1984) Akupressur Videofilm – Erkrankungen im Kopfbereich. Eigenverlag, Düsseldorf.
Stux G(1990) Akupunktur, Akupressur und Moxibustion. Birkhäuser Verlag, Basel.
Stux G, Stiller N, Pomeranz B (1999) Akupunktur – Lehrbuch und Atlas, 5. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York.
Stux G (1999) Einführung in die Akupunktur, 5. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York.

Autor: Dr. med. Gabriel Stux
Akupunktur Centrum Düsseldorf
Inselstraße 34
40479 Düsseldorf
Tel.: 00 49 (0)211 369099

Quelle: www.akupunktur-aktuell.de

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